urban_dot

Entwicklung eines Wohn- und Büroquartiers im Bonner Ortsteil Dottendorf.

Finalist, zweiphasiger städtebaulicher Realisierungswettbewerb, 2020

Städtebaulicher Entwurf

Leitidee Ausgangspunkt unseres Entwurfs ist die neo-europäische Stadt des 21. Jahrhunderts als von Menschen gestalteter und genutzter Raum. Wir wollen, dass auch kommende Generationen dieses neue Stadtquartier mit seinen Häusern und Räumen nach ihren Bedürfnissen nutzen können und gerne darin leben und arbeiten. Mischung, Dichte und Nähe reduzieren den Ressourcenverbrauch und die motorisierte Mobilität. Die Vision eines neuen Werksviertels bietet zukunftsfähige und doch alltagstaugliche Wohn- und Arbeitswelten mit modellhaften Ansätzen und Experimentierräumen für ein gutes Leben in einem urbanen und durchgrünten Quartier.

Entwicklungsfähiges Arbeiten am Campus Auf dem ehemaligen Christian-Miesen-Gelände nördlich der Dottendorfer Straße entsteht ein adaptiver Forschungs-, Dienstleistungs- und Produktionscampus, der sowohl den aktuellen Wandel in der Arbeitswelt wie das Aufkommen kleinteiliger und emissionsarmer Produktionsformen aufgreift. Um eine URBAN BLOT in der Mitte,  der als vielseitig nutzbare Gebäudestruktur Raumangebote für kleinere, mittlere und größere Unternehmen mit ergänzenden Erdgeschossnutzungen und einer Campus-KiTa kombiniert werden unterschiedliche Nutzungen verschiedener Körnung in kompakten Stadtbausteinen angeordnet. Zur Bahntrasse und zum Heizkraftwerk hin werden diese als TECHNOLOGIEHÖFE von Forschung und Dienstleistung geprägt, während entlang der Christian-Miesen-Straße erdgeschossige Produktion mit Büronutzungen zu HYBRIDHÖFEN kombiniert wird.

Identitätsstiftende Quartiersmitte Ein durch Stadträume gegliedertes Ensemble aus Quartiershaus, Nachbarschaftsakademie, einem HYBRIDHOF mit Mobilitätshub und Quartiersgarage im Norden sowie einem weiteren mit Nahversorgung, Boardinghouse sowie Wohnen im Süden überwindet die Trennungswirkung der Dottendorfer Straße und bietet fußläufig erreichbare urbane Angebote für Alle. Zusammen mit der Quartiersmeile, die als Promenade die beiden Teilquartiere verbindet gibt sie der gesamten Entwicklung ein Gesicht.

Vielfältiges und bezahlbares Wohnen an der Allmende Um eine zentrale Quartiersallmende mit Kindertagesstätte werden Nachbarschaften aus unterschiedlichen Typologien und Eigentumsformen als Wohnhöfe ausgebildet. Durch konsequente Grundrissorientierung und aktive Lärmschutzmaßnahmen vor den Gebäudefugen entstehen entlang der Bahnlinie ruhige KOMPAKTHÖFE mit Optionsräumen und Fahrradabstellmöglichkeiten sowie wo möglich privaten Gärten im Erdgeschoss. Den Übergang zum Friedhof bilden aufgelockerte WOHNHÖFE, die mit ihren Grünfugen die Durchlässigkeit für Kaltluft bewahren.Die Förderfähige Wohnungen im angestrebten Anteil werden über die Haustypen verteilt. Der Durch die dem Ort angemessene Dichte mit drei- bis fünfgeschossiger Bebauung werden Herstellungskosten gesenkt und gemeinwohlorientierte Nutzungen ermöglicht. Neue Finanzierungs­, Miet­ und Eigentumsmodelle schaffen in Verbindung mit für modularen bzw. seriellen Holzbau geeigneten Typen gute Voraussetzungen für leistbaren Wohnraum, reagieren auf den demografischen Wandel und senken den Flächenverbrauch.

Lesbare und erlebbare Freiräume für Alle Die Freiraumgestaltung fasst die teils heterogene Bestandssituation zu einem klar lesbaren und erlebbaren Konzept zusammen und bildet die gestalterische Basis für das neue Quartier. Die Aufwertung und Umgestaltung der vorhandenen Wegeanschlüsse an neuralgischen Punkten binden das Areal in das bestehende Gefüge ein und bieten neue Verknüpfungen zur Umgebung. In guter Erreichbarkeit der Gebäude werden die hochwertigen Freiraumangebote geschaffen. Hier entstehen Flächen zur Kommunikation und zum Austausch, für die Entspannung und den Ausgleich. Entlang der Bahngleise entsteht ein flexibler Gleispark, der mit seiner extensiven Ausprägung als temporäres Freiraumangebot dient. Neben Bereichen mit natürlichem Bewuchs für das Mikroklima entstehen auch Aneignungsflächen für urban gardening und Gemeinschaftsprojekte der Bewohner. Der bepflanzte Grünstreifen im Übergangbereich zum Südfriedhof wird in die Gestaltung der Freiflächen im Wohnumfeld integriert, die Gehölzstrukturen weitestgehend erhalten. Die notwendigen, funktionalen Anforderungen werden gestalterisch in die Konzeption integriert. Barrierefreiheit sowie behindertengerechte Wege und Zugänge sollen allen zukünftigen Nutzern möglichst hohen Bewegungskomfort bieten und alle Gruppen unserer Gesellschaft ansprechen und einbinden.

Blau-Grüne Infrastruktur Die Beläge im gesamten Planungsgebiet sollen ihrer Nutzung entsprechend geplant und ausgeführt werden. Zudem soll die Versickerungsfähigkeit der Freiflächen größtenteils erhalten bleiben und der Versiegelungsgrad möglichst gering ausfallen. Extremwetterereignisse können über größere Rückhaltekapazitäten im Bereich der Allmende, des Gleisparks sowie grüner Taschen im Campus aufgefangen werden. Der hohe Grünflächenanteil schafft die notwendigen Kaltluftentstehungsgebiete und leistet zusammen mit konsequenter Dachflächenbegrünung in Kombination mit PV-Anlagen einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung.

Mobilität für Morgen Das Mobilitätskonzept zielt auf eine Stärkung der postfossilen Mobilität ab: Im Bereich des Campus wird ca 1/3 der notwendigen Stellplätze in Tiefgaragen unter den Technologiehöfen untergebracht, die über einen kurzen Stich von der Christian-Miesen-Straße aus angefahren werden können. Die restlichen Stellplatzkapazitäten werden in einer an der Quartiersmitte liegenden Quartiersgarage untergebracht. Sie bietet bei hoher Erreichbarkeit (< 300m) ergänzende Nutzungen im Erdgeschoss, Stellplätze für die Bewohner und Mobilitätsstationen mit leicht zugänglichen Angeboten für Carsharing, Leihfahrräder sowie Lademöglichkeiten für Elektromobile. Durch diesen Ansatz werden heute umsetzbare moderate Zugangshürden zur Automobilität geschaffen, die den öffentlichen Raum vom ruhenden Verkehr entlasten und den Erfordernissen der Klimaanpassung entsprechend ausgebaut werden können. Abstellräume für Fahrräder werden in beiden Teilquartieren in den Erdgeschossen angeboten. In den vom Wohnen geprägten Strukturen im Süden wird der Stellplatzbedarf durchgehend in Tiefgaragen untergebracht. Bedarfsortientiert werden gestalterisch in den Freiraum integrierte oberirdische Angebote in Kombination mit Ladestationen für E-Mobilität geschaffen wie z.B. an der Kindertagesstätte. Die integrierte Konzeption von Mobilitätsangeboten, Nutzungsverteilung und Freiraumgestaltung ermöglicht so die 5-Minuten-Stadt.

Entwurf: 2020
Fläche: 8,9 ha
Programm: Entwicklung eines Wohn- und Büroquartiers im Bonner Ortsteil Dottendorf.
Auftraggeber: Bundesstadt Bonn, Terrabon GmbH / WID R1 Bonn GmbH, Elmar G. Brandschwede
Freiraum: bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung, Stuttgart

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